Journal Club UKA - Gesundheit des Pflegepersonals

Der Journal Club im September 2026 widmete sich dem Thema „Gesundheitszustand, Gesundheitsverhalten und wahrgenommener Stress von Pflegefachpersonen in Deutschland“. Anhand der Scoping Review von Pecha et al. wurde der aktuelle Forschungsstand zur körperlichen und psychischen Gesundheit von Pflegefachpersonen sowie der Einfluss von Arbeitsbedingungen und vorhandenen Ressourcen diskutiert.

Artikel: Health status, health behavior and perceived stress of nursing staff in Germany: a scoping review (Pecha et al. 2026).

Hintergrund

Pflegefachpersonen sind vielfältigen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Neben Personalmangel, Zeitdruck und Schichtarbeit spielen körperlich belastende Tätigkeiten, emotionale Anforderungen, fehlende Erholungsmöglichkeiten und Konflikte im Team eine wichtige Rolle.

Die Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass die gesundheitliche Situation von Pflegepersonal in Deutschland bislang nur unvollständig untersucht wurde. Insbesondere zur körperlichen Gesundheit und zum Gesundheitsverhalten bestehen Forschungslücken. Ziel des Reviews war es daher, den bestehenden Forschungsstand zusammenzufassen und Ansatzpunkte für gesundheitsfördernde Maßnahmen zu identifizieren.

Methode

Es wurde eine Scoping Review nach der Methodik des Joanna Briggs Institute (JBI) durchgeführt und an den PRISMA-ScR-Empfehlungen orientiert. Von insgesamt 11.006 gesichteten Titeln und Abstracts wurden 90 Studien in die Analyse eingeschlossen. Die Studien stammten aus unterschiedlichen Versorgungsbereichen und Regionen Deutschlands.

Studiendesign

  • Scoping Review
  • Methodische Orientierung: Joanna Briggs Institute und PRISMA-ScR
  • 70 quantitative Studien
  • 11 qualitative Studien
  • 3 Mixed-Methods-Studien
  • 6 Reviews

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen eine deutliche gesundheitliche Belastung von Pflegefachpersonen.

Psychische Gesundheit

Die psychische Gesundheit wurde deutlich häufiger untersucht als die körperliche Gesundheit. Häufig beschrieben wurden emotionale Erschöpfung, Burnout, depressive Symptome, Angst und allgemeine psychische Belastungen. In verschiedenen Studien lagen die berichteten Burnout-Raten häufig über 40–50 %, abhängig vom verwendeten Messinstrument und Grenzwert.

Körperliche Gesundheit

Auch körperliche Beschwerden stellen einen wesentlichen Teil der Belastung dar. Besonders häufig wurden muskuloskelettale Beschwerden beschrieben. Weitere gesundheitliche Probleme waren unter anderem Schlafstörungen, Schmerzen, Kopfschmerzen und chronische Erkrankungen. Damit wird deutlich, dass die gesundheitliche Belastung von Pflegefachpersonen nicht ausschließlich auf psychische Faktoren zurückzuführen ist.

Arbeitsbezogener Stress

Als zentrale Belastungsfaktoren wurden insbesondere Personalmangel, hoher Arbeits- und Zeitdruck, Überstunden, fehlende Pausen, Schicht- und Wochenendarbeit sowie körperlich und emotional belastende Tätigkeiten beschrieben. Weiter wurden Kommunikationsprobleme, Konflikte im Team, fehlende Anerkennung, geringe Einflussmöglichkeiten und Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie als Belastungen genannt.

Ressourcen und Schutzfaktoren

Neben den Belastungen identifizierte das Review auch wichtige Ressourcen. Dazu gehören insbesondere Teamzusammenhalt, soziale Unterstützung, Anerkennung durch Vorgesetzte, gute Kommunikation, kollegialer Austausch, Unterstützung durch Führungskräfte und berufliche Autonomie. Teaminteraktion und soziale Unterstützung zeigen sich damit als wiederkehrende Schutzfaktoren.

Diskussion

Ein zentraler Punkt des Reviews ist, dass Gesundheitsförderung nicht ausschließlich auf der individuellen Ebene ansetzen kann. Empfehlungen zu Resilienz, Bewegung, Ernährung oder Stressmanagement sind nur eingeschränkt umsetzbar, wenn gleichzeitig Personalmangel, Zeitdruck, ungünstige Dienstpläne oder fehlende Erholungsmöglichkeiten bestehen.

Für die Praxis bedeutet dies, dass sowohl individuelle als auch strukturelle Maßnahmen notwendig sind. Dazu gehören beispielsweise eine gesundheitsförderliche Dienstplangestaltung, ausreichende Pausen und Regenerationszeiten, stabile Teams sowie eine stärkere Wertschätzung durch Führungskräfte.

Auch regelmäßige Teamtage, Peer-Unterstützung, niedrigschwellige Ansprechpartner für körperliche und psychische Belastungen sowie verpflichtende Fort- und Weiterbildungstage können Ressourcen stärken. Entscheidend ist dabei die Nachhaltigkeit!

Konsequenzen für die Pflege

Die Diskussion im Journal Club zeigte, dass insbesondere die strukturellen Rahmenbedingungen stärker berücksichtigt werden müssen.

Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Konsequenzen aus einem Monitoring tatsächlich folgen. Eine reine Datenerhebung ist nur dann sinnvoll, wenn daraus konkrete Maßnahmen und strukturelle Veränderungen entstehen.