Familienzentrierte Pflege

Definition

Die Familienzentrierte Pflege (FZP) basiert auf dem Konzept „Family Systems Nursing“ und entspricht einem praktischen Ansatz den gesamten gesundheitsrelevanten Versorgungsprozess auf eine Partnerschaft zwischen Leistungserbringern, Familie und Patient/in aufzubauen (IPFCC, 2017). Wright et al. (2021) etablierten die FZP als therapeutischen Ansatz mit positiver Wirkung auf die Familienfunktion und Gesundheitsförderung. Die FZP geht dabei über eine reine Angehörigenbetreuung hinaus und ist international wie national anerkannt.

Welche Theorie steckt dahinter? Wo ist der Ursprung?

Erste Konzeptentwicklung während der 1970er Jahre in Nordamerika.

Theoretische Fundierung:

  • Pflege(wissenschaft)

  • Systemtheorie

  • Kybernetik

  • Veränderungstheorie

  • Kommunikationstheorie (mit Schwerpunkt auf den Arbeiten von Watzlawick und Kollegen) 

  • Familientherapie. 

→ Gesamtsystem „Familie“ ist genauso im Blick wie das Individuum (Wright et al., 2021)

→ Begriff patienten- und familienzentrierte Pflege (engl. patient and family centered care, PFCC)

Entscheidend ist die Grundüberzeugung, dass Familiensysteme auch in Krisensituationen über Stärken und Resilienzen verfügen, die durch professionell Pflegende erfasst und in einer partnerschaftlichen Beziehung, durch die Auswahl geeigneter Interventionen, genutzt werden können, um für die Familie und Betroffene Gesundheit fördernde Veränderungen zu bewirken (Wright et al., 2021). 

Grundwerte bzw. Grundhaltungen der FZP laut dem nordamerikanischen Institut für Patienten- und familienzentrierte Pflege (IPFCC) (IFNA, 2024):

  • Würdevoller und respektvoller Umgang mit Patient/innen und Familien: Pflege findet unter Berücksichtigung persönlicher Wertvorstellungen, Meinungen, Ziele und Ressourcen statt

  • Informationsaustausch: Informationen stehen allen Beteiligten niederschwellig, vorbehaltlos und vollumfänglich in verständlicher Form zur Verfügung

  • Partizipation: Ermutigung und Unterstützung bei der aktiven Teilnahme an der Pflege und dem Treffen von Entscheidungen

  • Zusammenarbeit aller an der Gesundheitsdienstleistung beteiligten Stakeholder in Forschung, Umsetzung und Durchführung der Pflegeleistung

Zentrales Instrument der FZP ist das therapeutische Familiengespräch:

  • CFAM (Calgary Familien-Assessment-Modell): multidimensionale Erfassung der familiären Situation in Anlehnung an den Pflegeprozess nach dem Beziehungsaufbau im Rahmen des strukturierten Assessments → Die anschließende Zielbestimmung erfolgt partizipativ (Wright et al., 2021).

  • CFIM (Calgary Familien-Interventions-Modell): Gemeinsame Auswahl von Interventionen in der Interventionsphase, die zielgerichtet kognitive, affektive oder verhaltensbezogene Veränderungen zur Unterstützung der Familie bzw. der Individuen in der Krankheitsbewältigung ermöglichen → Grundlage: Aufbau einer partnerschaftlichen und beratenden Beziehung ohne Hierarchien, um die Expertise der Familie und der Pflegenden zu verbinden (Wright et al., 2021).

 

Abbildung 1: Prozess des therapeutischen Familiengesprächs

 

2009 gründete sich die „International Family Nursing Association“, um unter anderem das Wissen und die Verbreitung der Familienpflege weltweit zu vergrößern (IFNA, 2024). 

Was sind die Vorteile dieses Ansatzes?

Neben der Verbesserung der Versorgungssituation für Patienten und Angehörige hinaus, führt die strukturiert umgesetzte FZP vor allem durch die Verbesserung der Kommunikation auch zu erhöhter Arbeitszufriedenheit im therapeutischen Team (Park et al., 2018). 

Für verschiedene Bereiche sind weitere Vorteile beschrieben:

  • Kinder: Verbessertes Sicherheitsgefühl und erhöhte Health Literacy der Eltern (Hodgson et al., 2024)

  • Intensivpflege: Reduktion von Delir (Lv et al., 2025)

  • Stationäre Altenpflege: Reduktion der Krankenhauseinweisungen (Haesler et al., 2026)

Aufgrund dieser Vorteile ist FZP in Deutschland vor allem im pädiatrischen Bereich fest etabliert. Doch auch in anderen Settings, wie der Intensivpflege, der Palliativpflege und der Pflege geriatrischer PatientInnen in Akut- und Langzeitversorgung findet sie zunehmend Beachtung in Forschung und Praxis (Hriberšek et al., 2024).

Wie qualifiziere ich mich für FZP?

  • Die FZP erfordert spezielle Kompetenzen der Pflegenden. 

  • Wright et al. (2021) betonen insbesondere die akademische Ausbildung der Pflegefachpersonen.

  • In Deutschland: Einrichtung eines Lehrstuhls für familienzentrierte und gemeindenahe Pflege am Institut für Pflegewissenschaft der Universität Witten/Herdecke und Beteiligung an einer WHO-Studie zur Familiengesundheitspflege Beachtung (Wright et al., 2021).