Grundlagen
- Essen hat positiven Einfluss auf die Psyche durch
- Sicherheit (gibt Struktur und sorgt für Geborgenheit)
- Lust (kann Genuss, Zufriedenheit und Wohlbefinden aktivieren)
- Selbstbestimmung beim Ernährungsverhalten sollte respektiert werden (keine Vorwürfe, Druck, Zwang).
Angebot und Auswahl von Essen und Trinken
- Abfrage der Speisenwünsche
- Speisenangebot sollte, vor allem bei pflegebedürftigen Personen mit geringem Appetit, flexibel bleiben und sich nach den Wünschen richten.
- Gewohnheiten sollten möglichst beibehalten werden.
- Bezeichnung der Kostformen variiert oft je nach Fachabteilung.
- Durchführung der Essensbestellung meist von Stationsassistenten bzw. -assistentinnen oder Servicekräften, Diätassistenten bzw. -assistentinnen werden bei ernährungsbedingten Einschränkungen hinzugezogen.
-> Gute Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Pflegenden und weiteren beteiligten Personen bezüglich Besonderheiten bei der Nahrungsaufnahme bei pflegebedürftigen Personen notwendig.
Grundsätzliche Fragen:
- Worauf hat die pflegebedürftige Person Appetit?
- Welche gesundheitlichen Einschränkungen haben Einfluss auf die Essensauswahl?
- Welche kulturellen/religiösen Vorlieben hat die pflegebedürftige Person?
Systematische Erfassung anhand der EDEKA-Regel:
- Empfindlichkeiten/Unverträglichkeiten (z.B. Laktoseintoleranz)
- Diätetische Kost (z.B. fettarm)
- Einschränkungen bei der Nahrungsaufnahme (z.B. fehlende Zahnprothese, Dysphagie, Operationen im Hals-/Rachenbereich)
- Krankheitsbedingte Kost (z.B. erhöhter Energiebedarf bei Fieber, säurearme Kost bei Sodbrennen)
- Allergien
Essen verteilen
- Essenszeiten sollten jeden Tag etwa gleich sein, um Struktur zu schaffen.
- Keine Untersuchungen während der Essenszeiten
- Ausreichend Zeit und Ruhe zum Essen
- Ausreichend Getränke
Möglichkeiten bei der Verteilung:
- Tablettsystem
- Tischgemeinschaften
- Buffet
- Ausgabetheke
Vorgehensweise:
- Kontrolle, ob richtiger Pflegeempfänger bzw. -empfängerin, richtiges Essen und richtiger Zeitpunkt.
- Benennung der Speisen beim Servieren.
- Abräumen der Speisen nach der Mahlzeit.
- Essprotokoll bei Möglichkeit anfertigen.
- Wenn pflegebedürftige Person nicht bzw. wenig isst, Hintergründe erfragen und Lösung finden.
Unterstützungsbedarf
- Abhängig von Alter und Gesundheitszustand der pflegebedürftigen Person
- Tägliche Neubewertung
- Anpassung des Grades der Unterstützung an die individuellen Ressourcen der pflegebedürftigen Person.
- Pflegefachkräfte richten Mahlzeit gemeinsam mit der pflegebedürftigen Person, falls es diesem nicht möglich ist.
Positionierung während des Essens
- Am Tisch, wenn es der pflegebedürftigen Person keine Schwierigkeiten bereitet eine gute Sitzposition zum Essen zu halten.
- An der Bettkante, wenn die pflegebedürftige Person das Bett nicht verlassen kann; Voraussetzung ist eine stabile Rumpfmuskulatur.
- Sitzend im Bett mit ausreichend erhöhtem Oberkörper
- Liegend im Bett, wenn die pflegebedürftige Person nur mit flachem Oberkörper liegen darf; die linke Seite ist meist die angenehmere; Rückenlage ist wegen Aspirationsgefahr nicht möglich.
Essen anreichen
- Regel: Unterstützung so viel wie nötig und so wenig wie möglich. Im Sinne der aktivierenden Pflege unterstützen Pflegefachpersonen die pflegebedürftige Person nach Möglichkeit in seinen Bewegungen.
- Grundsätze:
- Essenreichen so natürlich wie möglich
- Für angenehme Atmosphäre sorgen
- Gemeinsame Absprache des Ablaufs der Mahlzeit
- Unterstützung der pflegebedürftigen Person bei Einnahme einer aufrechten Position.
- Sitzende Position neben dem Pflegeempfänger bzw. der Pflegeempfängerin einnehmen.
- Gewöhnliches Besteck von vorne, unten an den Mund führen.
- Ausreichend Zeit zum Kauen und Schlucken lassen und Zeitdruck vermeiden.
- Unterschiedliche Konsistenzen nicht mischen.
- Aspirationsprophylaxe
- Bei Aspiration: Aufforderung zum kräftigen Husten, Oberkörper sollte dabei leicht nach vorne gebeugt sein
Trinken anreichen
- Unterstützung beim Trinken häufig herausfordernde Aufgabe, insbesondere wenn pflegebedürftige Person sich häufig verschluckt oder nicht gut schlucken kann.
- Schnabelbecher ist eine verbreitete Trinkhilfe, begünstigt jedoch unphysiologisches Trinkverhalten und erhöht Aspirationsrisiko.
- Beste Trinkhilfe ist ein Strohhalm.
- Bei pflegebedürftigen Personen mit starken Schluckstörungen bei Bedarf flüssige Speisen und Getränke andicken.
Medikamente bei der Nahrungsaufnahme verabreichen
- Meist werden Medikamente während des Essens verabreicht.
- Bevor Medikamente mit dem Essen verabreicht werden, sollte die Teilbarkeit von Medikamenten geprüft werden (Beipackzettel und/oder Apotheke) und darauf geachtet werden, wann und mit welchen Speisen die Medikamente kompatibel sind.
- Offener Umgang gegenüber der pflegebedürftigen Person
- Große Tabletten teilen, wenn teilbar.
Ess- und Trinkhilfen
- Unterstützung der pflegebedürftigen Person selbstständig und sicher zu essen und zu trinken.
- Erleichterung beim Anreichen der Nahrung.
- Spezielles Besteck beispielsweise mit dicken geriffelten Griffen
- Standfestes Geschirr mit erhöhtem Rand, rutschfester Unterlage
- Trinkgefäß für pflegeempfangende Person mit wenig Kraft und Beweglichkeit in den Händen (Becher mit Griffen und Aussparung für Nase, Becher mit breitem Rand und kleiner Öffnung im Deckel)