Was bedeuten Assessment und Anamnese?

Anamnese: Gezielte Erhebung von Informationen über den Gesundheitszustand, z. B. durch Befragung oder Beobachtung.

Assessment: Ein strukturierter Prozess zur systematischen Erfassung und Bewertung des Pflegebedarfs. Es geht über die reine Anamnese hinaus und nutzt auch Messungen und standardisierte Skalen.

Pflegeassessment – Warum ist es wichtig?

Ein Pflegeassessment hilft, den individuellen Pflegebedarf festzustellen. Es ermöglicht eine gezielte und bedarfsgerechte Pflegeplanung, verbessert die Qualität der Pflege und fördert eine frühzeitige Risikoerkennung (z. B. Dekubitus, Sturzgefahr).

Das Pflegeassessment konzentriert sich entweder auf:

  • Pflegephänomene (z. B. Schmerzen, Mobilitätseinschränkungen, Dekubitusrisiko)
  • Pflegerische Durchführung (z. B. Wundversorgung, Ernährung, Körperpflege)

Je nach Zielsetzung werden unterschiedliche Instrumente eingesetzt, um spezifische pflegerische Bedürfnisse zu erfassen und Pflegeinterventionen abzuleiten.

Selbst- und Fremdassessment

  • Selbstassessment: Die pflegebedürftige Person gibt eigenständig Auskunft über ihren Zustand.
  • Fremdassessment: Pflegekräfte oder Angehörige erheben die Informationen.

Wann wird ein Pflegeassessment durchgeführt?

  • Bei der Aufnahme in eine Pflegeeinrichtung oder einen Pflegedienst (Erstassessment).
  • Regelmäßig, um Veränderungen im Zustand zu erkennen (z. B. monatliche Überprüfung).
  • Situativ, wenn sich der Gesundheitszustand verändert (z. B. plötzlicher Gewichtsverlust oder Sturzereignis).

Assessment im Pflegeprozess: Stufen und Instrumente

Das Pflegeassessment ist ein wesentlicher Bestandteil des Pflegeprozesses und kann in verschiedene Stufen zum Einsatz kommen:

Ersteinschätzung (Screening-Assessment)

Das Screening-Assessment dient der schnellen Erfassung von Risiken oder Pflegeproblemen bei der Aufnahme oder beim ersten Kontakt mit einer pflegebedürftigen Person. Es ermöglicht eine rasche Ersteinschätzung, um frühzeitig geeignete Maßnahmen einzuleiten.

Beispiele für Screening-Instrumente:

  • Braden-Skala (zur Einschätzung des Dekubitusrisikos).
  • Morse-Fall-Skala (Bewertung des Sturzrisikos).
  • Mini Nutritional Assessment (MNA) (zur Einschätzung des Ernährungsstatus).

Basis- und Fokusassessments

Nach der Ersteinschätzung folgt eine detailliertere Analyse durch ein Basis- oder Fokusassessment.

  • Basisassessment: Umfassende Erhebung des allgemeinen Pflegebedarfs in verschiedenen Bereichen (z. B. Mobilität, Ernährung, Kommunikation).
  • Fokusassessment: Spezifische Untersuchung eines bestimmten Pflegephänomens, wenn ein besonderes Problem identifiziert wurde.

Beispiele:

  • Numerische Rating-Skala (NRS), Visuelle Analogskala (VAS) (zur Schmerzbewertung).
  • Geriatrisches Assessment (umfassende Beurteilung älterer Menschen mit multiplen Gesundheitsproblemen).

Unterstützung bei der Pflegediagnostik

Die im Assessment erhobenen Daten bilden die Grundlage für die Pflegediagnostik und helfen bei der Erstellung standardisierter NANDA-Pflegediagnosen.

Beispiel für den Zusammenhang zwischen Assessment und Pflegediagnose:

  • Einschätzung durch geeignetes Assessmentverfahren: Eingeschränkte MobilitätPflegediagnose: Beeinträchtigte körperliche Mobilität (NANDA-Code 00085).

Evaluationsinstrumente zur Messung von Veränderungen im Pflegeverlauf

Während des Pflegeprozesses werden regelmäßig Überprüfungen durchgeführt, um Veränderungen zu messen und den Pflegeplan ggf. anzupassen.

Beispiele für Evaluationsinstrumente:

  • Numeric Pain Rating Scale (NPRS) (Bewertung der Schmerzveränderung während der Pflegeinterventionen).
  • Pflegedokumentation und Verlaufskontrollen (z. B. Wundheilungsskalen zur Beobachtung von Hautläsionen).

Outcome-Assessment: Bewertung der pflegerischen Ergebnisse

Am Ende des Pflegeprozesses wird überprüft, ob die gesetzten Pflegeziele erreicht wurden. Hierbei kommen Instrumente zur Messung pflegerischer Outcomes zum Einsatz.

Beispiele für Outcome-Messungen:

  • Erneute Bewertung des Sturzrisikos nach durchgeführten Präventionsmaßnahmen.

Literatur

Reuschenbach, B. & Mahler, C. (Hrsg.) (2018) Pflegebezogene Assessmentinstrumente: Internationales Handbuch für Pflegeforschung und -praxis. Bern: Hogrefe , S. 27–55.

Autor:in

Maria Schmidtmüller

Studentin “Angewandte Pflegewissenschaft (B.Sc.)”

Stabsstelle Digitalisierung und Pflegewissenschaft, Universitätsklinikum Augsburg