Pflegebedürftig nach dem Krankenhausaufenthalt

User Journey - Pflegende Angehörige

Das Entlassmanagement beschreibt die strukturierte Planung der Versorgung eines Patienten bzw. einer Patientin nach einem Krankenhausaufenthalt. Ziel ist es, eine lückenlose Weiterbetreuung sicherzustellen und Versorgungsprobleme zu vermeiden. 

Für pflegende Angehörige stellt diese Phase häufig eine besondere Herausforderung dar. Neben emotionaler Belastung entstehen organisatorische, pflegerische und bürokratische Anforderungen, die oft erstmals in dieser Form bewältigt werden müssen.

Bedeutung für pflegende Angehörige

Pflegende Angehörige übernehmen nach der Entlassung häufig eine zentrale Rolle in der Versorgung. Sie sind nicht nur unterstützend tätig, sondern oft auch koordinierend und mitverantwortlich für die Organisation der weiteren Pflege. 

Typische Herausforderungen sind: 

  • Unsicherheit bezüglich der eigenen Fähigkeiten 

  • Überforderung durch neue Aufgaben 

  • Vereinbarkeit von Pflege, Beruf und Privatleben 

  • Emotionale Belastung (z. B. Schuldgefühle, Sorgen) 

Eine frühzeitige Einbindung der Angehörigen in das Entlassmanagement ist daher essenziell. 

1. Feststellung des Unterstützungsbedarfs 

Während des Krankenhausaufenthalts wird geprüft (durch Station), ob beim Patienten bzw. der Patientin ein Pflege- oder Unterstützungsbedarf nach der Entlassung besteht. 

Hinweise auf einen erhöhten Bedarf können sein: 

  • Eingeschränkte Selbstständigkeit im Alltag 

  • Eingeschränkte Mobilität 

  • Fehlendes soziales Unterstützungsnetzwerk 

  • Alleinleben des Patienten 

  • Überforderung der Angehörigen 

  • Palliative Versorgungssituation 

Für pflegende Angehörige ist es wichtig, die eigene Belastung offen zu kommunizieren, da diese in die Versorgungsplanung einbezogen wird. 

2. Einbindung des Sozialdienstes 

Der Sozialdienst übernimmt eine zentrale Rolle im Entlassmanagement. Er wird bei erkennbaren Versorgungsproblemen hinzugezogen. 

Die Anforderung erfolgt in der Regel durch den ärztlichen Dienst. 

Pflegende Angehörige können und sollten ebenfalls aktiv die Einbindung des Sozialdienstes anstoßen. 

Wichtig: 

Der Sozialdienst wird erst nach einer offiziellen Anforderung tätig. 

3. Erstkontakt und Assessment 

Im Rahmen eines strukturierten Gesprächs erhebt der Sozialdienst gemeinsam mit Patient/in und Angehörigen relevante Informationen. 

Erfasst werden unter anderem: 

  • Aktuelle Selbstständigkeit des Patienten bzw. der Patientin

  • Wohnsituation 

  • Vorhandener Pflegegrad

  • Bestehendes Unterstützungsnetzwerk

  • Wünsche und Vorstellungen 

Ziel ist eine realistische Einschätzung der Entlassfähigkeit sowie die Planung einer bedarfsgerechten Versorgung. 

Für Angehörige bietet dieses Gespräch die Möglichkeit, eigene Grenzen und Unterstützungsbedarfe darzustellen. 

4. Entscheidung über die Versorgungsform 

Auf Basis der erhobenen Informationen wird gemeinsam mit dem Behandlungsteam die geeignete Versorgungsform festgelegt. 

Mögliche Versorgungsformen sind: 

Häusliche Versorgung mit ambulantem Pflegedienst 

Geeignet bei vorhandener Unterstützung durch Angehörige und ausreichender Selbstständigkeit des Patienten bzw. der Patientin. 

Kurzzeitpflege 

Vorübergehende stationäre Versorgung, z. B. zur Überbrückung oder Entlastung der Angehörigen. 

Dauerhafte stationäre Versorgung 

indiziert bei hohem Pflegebedarf oder fehlender häuslicher Versorgungsmöglichkeit. 

Für Angehörige stellt diese Entscheidung häufig eine erhebliche emotionale Belastung dar und sollte durch Beratung begleitet werden. 

5. Antragstellung und Organisation

Ein wesentlicher Bestandteil des Entlassmanagements ist die Klärung sozialrechtlicher Ansprüche. 

Pflegegrad 

Falls noch kein Pflegegrad vorliegt, ist ein Antrag bei der Pflegekasse erforderlich. Ein Eilantrag kann bei entsprechender Indikation und vorliegenden pflegerischen Beeinträchtigungen durch den Sozialdienst der Klinik gestellt werden. 

Unterstützung durch den Sozialdienst 

Der Sozialdienst unterstützt bei: 

  • Antragstellung (z. B. Kurzzeitpflege §39c) 

  • Organisation ambulanter Pflege 

  • Organisation notwendiger Hilfsmittel 

  • Suche nach geeigneten Einrichtungen 

  • Informationen über geeignete Anlaufstellen und Organisationen wie z.B. Seniorenfachberatungen oder Pflegestützpunkte 

  • Vorsorgevollmacht 

Für pflegende Angehörige bedeutet dies eine wichtige Entlastung, ersetzt jedoch nicht die eigene Mitwirkung

6. Vorbereitung der Entlassung 

1. Entlassung nach Hause 

Folgende Maßnahmen werden organisiert: 

  • Kontaktaufnahme mit einem ambulanten Pflegedienst

  • Abstimmung des Pflegebeginns

  • Ärztliche Verordnungen (z. B. häusliche Krankenpflege) → wird von der Station am Tag der Entlassung mitgegeben

  • Bereitstellung notwendiger Hilfsmittel 

Pflegende Angehörige übernehmen zusätzlich: 

  • Anpassung der Wohnumgebung

  • Organisation des Alltags 

  • Teilweise pflegerische Tätigkeiten 

2. Verlegung in eine Pflegeeinrichtung 

Folgende Schritte sind erforderlich: 

  • Übermittlung relevanter Patientendaten (durch Sozialdienst) 

  • Pflegerische Übergabe (durch Station) 

  • Organisation des Transports (durch Station)

  • Angehörige sind hier insbesondere in organisatorische und emotionale Begleitung eingebunden. 

7. Belastung und Unterstützungsbedarf pflegender Angehöriger 

Die Zeit nach der Entlassung stellt für viele Angehörige eine Phase erhöhter Belastung dar. 

Häufige Belastungsfaktoren: 

  • Körperliche und psychische Beanspruchung („Kann ich das überhaupt?“) 

  • Fehlende Erfahrung in der Pflege 

  • Zeitdruck und organisatorische Anforderungen 

Daher ist es wichtig, frühzeitig Unterstützungsangebote zu nutzen, z. B.: 

  • Ambulante Pflegedienste 

  • Beratungsangebote der Pflegekassen 

  • Entlastungsleistungen 

Ziel des Entlassmanagements 

  • Sicherstellung einer kontinuierlichen Versorgung 

  • Vermeidung von Versorgungslücken 

  • Unterstützung von Patienten und Angehörigen

  • Förderung der interprofessionellen Zusammenarbeit 

Für pflegende Angehörige bedeutet ein gut organisiertes Entlassmanagement eine wesentliche Entlastung und Orientierung in einer oft belastenden Übergangsphase