Klassifikationen in der Pflege

Hintergrund

  • Bettet pflegerische Begriffe in ein systematisches Ordnungsschema ein.
  • Strukturierte und standardisierte Terminologien sind essenziell, um:
    • Einen einheitlichen Informationsaustausch zu gewährleisten,
    • Pflege und Forschung evaluieren zu können (Zwaanswijk et al. 2011).

Der richtige Gebrauch von Pflegeklassifikationen kann:

  • Kontinuität im pflegerischen Handeln ermöglichen,
  • Dokumentierte Pflegehandlungen und Outcomes settingübergreifend vergleichbar machen (Rutherford 2008).

Das theoretische und strukturelle Fundament in Pflegeklassifikationssystemen bilden:

  • Taxonomie
  • Terminologie
  • Syntax

Dadurch Abbildung des Pflegeprozesses:

  • In einer standardisierten Fachsprache
  • Digital
  • Interdisziplinär

Ziel

Pflegeklassifikationen dienen dazu, den Pflegeprozess mithilfe einer standardisierten Fachsprache systematisch abzubilden.

Durch den Einsatz von Systemen (zusammengefasst als NNN-Klassifikation) wird eine intra- und interprofessionelle Grundlage geschaffen:

  • NANDA-I
  • NIC
  • NOC

Diese Grundlage ermöglicht eine präzise Beschreibung von:

  • Problemen
  • Interventionen
  • Outcomes

Die NNN-Klassifikation unterstützt ein gemeinsames Verständnis der Situation des Patienten bei allen Beteiligten (Gordon 1994; Buleckek et al. 2012; Herdman 2012; Moorhead 2012).

Definitionen

Klassifikation

  • Ein systematisches Ordnungsschema, in welches pflegerische Begrifflichkeiten eingebettet werden.
  • Ziel ist eine einheitliche Vorgehensweise und Dokumentation (Problem, Intervention, Evaluation), insbesondere auf elektronischer Basis (Rutherford 2008).
  • Dient als Hilfsmittel zur Strukturierung von Pflegewissen und zur methodischen Erfassung von Pflegeproblemen im Pflegeprozess (Müller-Staub 2012).

Taxonomie

  • Ein hierarchisch strukturiertes Ordnungssystem innerhalb einer Klassifikation.
  • Beispiele
    • NANDA-I (Herdman 2012)
      • Unterteilung in Domänen und Klassen
      • Zuordnung spezifischer Pflegediagnosen 
    • NIC (Nursing Interventions Classification) (Anderson et al. 2009)
      • Gliederung in Domänen und Klassen,
      • Umfasst insgesamt 554 Pflegeinterventionen
    • NOC (Nursing Outcomes Classification) (Moorhead et al. 2013)
      • Nutzung von Domänen und Klassen
      • Bewertung von Outcomes mittels 5-Punkte-Likert-Skala 

Terminologie

  • Standardisierte Pflegefachsprache („Standardized Nursing Language“)
  • Besteht aus einem allgemein verständlichen Satz von Begriffen (NANDA o.J.).
  • Dient der präzisen Beschreibung von:
    • Klinischen Beurteilung (Pflegediagnosen),
    • Interventionen,
    • Outcomes.
  • Beantwortet die zentralen Fragen des pflegerischen Handelns: „was, Warum und Wie“ (Herdman o.J.)

Syntax

  • Beschreibt die Regeln zur Kombination von Begriffen einer Terminologie zu Aussagen (ISO 18104).
  • Ermöglicht eine strukturierte (modulare) Formulierung, Z.B. von Pflegediagnosen nach dem Baukastenprinzip.

Beispiele für Klassifikationen in der Pflege

Es handelt sich hierbei um eine selektive Darstellung wesentlicher Punkte, nicht um eine abschließende oder vollständige Auflistung. Die Beispiele sind den Schritten des fünfstufigen Pflegeprozesses nach Gordon (Georg Thieme Verlag 2025) zugeordnet.

 

Abbildung 1: Einordnung der beispielhaften Klassifikationen in den fünfstufigen Pflegeprozess nach Gordon (Eigene Darstellung nach Georg Thieme Verlag 2025)

 

BAss (Pflegerisches Basis-Assessment) (Thieme RECOM, 2026b)

  • Standardisierte und systematische Erhebung pflegerelevanter Anamneseinformationen

  • Unterstützt das Personalmanagement durch Fallschwerebestimmung mit dem „BAss-Nursing-Case-Index“

  • Vereinfacht die Auswahl von Pflegemaßnahmen durch die Ableitung von ENP-Interventionen aus den BAss-Ergebnissen

  • Automatische Risikoskalen-Ermittlung (z. B. Braden-Skala, Barthel-Index, Hendrich-Skala, etc.)

  • Besteht aus sechs Modulen: 1. Mobilität, 2. Selbstversorgung, 3. Kognition, Wahrnehmung, Kommunikation, 4. Verhalten, 5. Risiken, Prävention, 6. Zustände mit erhöhtem Überwachungs-/Unterstützungsbedarf

  • Kann mit ENP verknüpft werden

RAI (Resident Assessment Instrument) (Wagner et al., 2020; Grebe, Brandenburg, 2015)

  • RAI „ist ein strukturiertes und standardisiertes Instrument zur Verbesserung der Pflegequalität in der Langzeitpflege.“ (Grebe, Brandenburg, 2015)

  • Es dient der systematischen Einschätzung des Pflege- und Unterstützungsbedarfs sowie der Pflegeplanung und Qualitätsbeobachtung.

  • Spezielle Untergruppen

    • RAI-HC (Resident Assessment Instrument-Home Care)

    • RAI-MH (Resident Assessment Instrument-mental health)

ICNP (International Classification of Nursing Practice) (Georg Thieme Verlag, 2015)

  • Entwickelt durch den International Council of Nurses (ICN)

  • Klassifikation der Pflegesprache

  • „Ziel der ICNP ist es, eine Sammlung von pflegerelevanten Fachbegriffen weltweit in vielen Sprachen zur Kommunikation zur Verfügung zu stellen.“ (Georg Thieme Verlag, 2015)

  • Neben sieben sogenannten Achsen setzt sich die ICNP auch aus Pflegediagnosen/Outcomes und Pflegeinterventionen zusammen.

  • Achsen: Fokus, Beurteilung, Mittel, Handlung, Zeit, Lokalisation, Klient

NANDA-I (North American Nursing Diagnosis Association International) (Thieme RECOM, 2026a)

  • „Mit der Pflegeklassifikation NANDA International werden Pflegesituationen anhand von ausgewählten Pflegediagnosen beschrieben. Pflegediagnosen gelten als Schlüssel zur evidenzbasierten, professionellen Pflege. Sie sind ein effektives Werkzeug, um die Bedürfnisse und Bedarf der Patient*innen zu erfüllen sowie den Pflegebedarf verlässlich zu ermitteln.“ (Thieme RECOM, 2026a)

  • Formulierung der Pflegediagnose mittels Beschreibung des Problems (zentrales Pflegephänomen), der Ätiologie (Ursache, beeinflussende Faktoren) und der Symptome 

ENP (European Nursing care Pathways) (Georg Thieme Verlag, 2015)

  • „ENP (European Nursing care Pathways) ist ein Pflegeklassifikationssystem, das seit 1989 in Deutschland entwickelt wird, um im Rahmen einer Pflegedokumentation den Pflegeprozess in einer einheitlichen, sektorenübergreifenden und standardisierten Sprache abzubilden.“ (Georg Thieme Verlag, 2015)

  • In 7 Konzeptgruppen aufgeteilt: Pflegediagnose, Kennzeichen, Ursachen, Ressourcen, Pflegeziele, Pflegemaßnahmen, handlungsleitende Beschreibungen

NIC (Nursing Interventions Classification) (Bulechek et al. 2013)

  • „Die NIC ist eine umfassende, standardisierte Sprache zur Beschreibung der von Pflegenden durchgeführten Interventionen, Aktivitäten und Behandlungen.“ 

  • Kann mit anderen Pflegeklassifikationen verknüpft werden (NANDA-I, NOC) um den Pflegeprozess von der Diagnose über die Maßnahme bis zum Ergebnis abzubilden

LEP (Leistungserfassung in der Pflege) (Wied, Warmbrunn, 2012)

  • „Standardisiertes Instrument zur Erfassung und Dokumentation von pflegerischen Leistungen in definierten Standardzeitwerten. Sie dient der einheitlichen Dokumentation von Leistungen im Gesundheitswesen.“ (Wied, Warmbrunn, 2012)

  • In unterschiedlichen Settings anwendbar (z. B. Kliniken, ambulante Langzeitpflege, ambulante Pflege)

NOC (Nursing Outcomes Classification) (Moorhead, Swanson, Johnson, 2023)

  • Klassifikation zur Beschreibung von patientenbezogenen Ergebnissen, die aus Pflegehandlungen resultieren

  • Damit kann überprüft werden, ob pflegerische Maßnahmen den gewünschten Effekt /Ergebnis hatten