Urin & Miktion

Die Ausscheidung von Urin (Miktion), ist ein lebenswichtiger Vorgang des Körpers. Dabei scheiden die Nieren überschüssiges Wasser und Abfallstoffe über die Harnwege aus. Für die Pflege spielt die Beobachtung, Unterstützung und Dokumentation dieses Prozesses eine wichtige Rolle.

Was ist Urin?

  • Urin ist ein Ausscheidungsprodukt des Körpers und entsteht in den Nieren. Über den Urin werden Stoffwechselabbauprodukte (Abfallstoffe des Körpers) und überschüssige Körperflüssigkeiten (Wasser) aus dem Körper ausgeschieden.

Was ist Miktion?

Die Ausscheidung des Urins (Miktion: med. Fachbegriff für Wasserlassen) ist ein lebenswichtiger Vorgang des Körpers. Über die Nieren wird der Urin gebildet, gelangt durch die Harnleiter (Ureter) in die Harnblase (Urethra) und wird über die Harnröhre ausgeschieden. Ein gesunder Mensch scheidet etwa 1,5 Liter Urin pro Tag aus – abhängig von Flüssigkeitszufuhr, Ernährung, Medikamenten, Erkrankungen und körperlicher Aktivität.

Wichtige Beobachtungskriterien

Pflegende beobachten die Urinausscheidung, um gesundheitliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen. Achte dabei auf:

  • Menge: Zu viel oder zu wenig Urin kann auf Erkrankungen hinweisen.
    • Oligurie (weniger als 500ml): z.B. bei Herzinsuffizienz
    • Anurie (weniger als 100ml): z.B. bei Nierenversagen im Schock
    • Polyurie (mehr als 2000ml): z.B. bei Diabetes insipidus
  • Farbe: Normal ist hellgelb bis goldgelb. Trüber, rötlicher oder dunkelbrauner Urin ist auffällig.
  • Geruch: Ein starker oder süßlich-fruchtiger Geruch kann Hinweis auf Infektionen oder Erkrankungen wie Diabetes sein.
  • Häufigkeit: Zwischen vier- und achtmal täglich gilt als normal.
  • Beimengungen: Blut, Schleim oder Kristalle sind immer abklärungsbedürftig.
  • Miktion: schmerzhaftes Wasserlassen, schwacher Harnstrahl oder unvollständige Entleerung sind Beispiele für einen gestörten Entleerungsvorgang und Hinweise auf mögliche Erkrankungen

Schon gewusst? Auch Medikamente (z. B. Vitamin B12-Präparate) oder bestimmte Lebensmittel (z. B. Rote Bete, Spargel) können die Urinfarbe verändern → meist vorübergehend und harmlos.

Unterstützungsmaßnahmen in der Pflege

Viele Pflege- und Unterstützungsbedürftige Menschen benötigen Hilfe bei der Miktion z. B. durch:

  • Begleitung zur Toilette oder zum Toilettenstuhl
  • Anreichen von Urinflaschen, Steckbecken oder Bettpfannen
  • Anlegen von Inkontinenzprodukten wie Einlagen oder Pants
  • Katheterisierung: einmalig oder dauerhaft →Blasenkatheter legen, wechseln & pflegen
  • Intimhygiene nach der Miktion zur Vermeidung von Infektionen

Wichtig: Immer die Intimsphäre wahren und einfühlsam kommunizieren. (Siehe auch → Kommunikation)

Häufige Probleme rund um die Miktion

  • Inkontinenz: Unwillkürlicher Urinverlust. Unterschiedliche Formen (z. B. Drang-, Stress- oder Überlaufinkontinenz) erfordern spezifische Maßnahmen
  • Harnverhalt (Ischurie): Erschwertes oder fehlendes Wasserlassen. Dabei kann die Blase nicht oder nicht mehr vollständig entleert werden. (Sonderfall: Überlaufblase - hierbei ist die Harnblase durch einen Harnverhalt so gefüllt, dass der steigende Blasendruck dafür sorgt, dass tröpfchenweise Urin abgeht. Der Druck in der Blase überwindet dabei die Schließmuskelfunktion)
  • Polyurie: Übermäßig hohe Urinmenge (z. B. bei Diabetes).
  • Oligurie/Anurie: Stark verminderte oder fehlende Urinausscheidung – kann auf Nierenprobleme hindeuten.
  • Harnwegsinfekte (HWI) oder Zystitis (Blasenentzündung): Schmerzen beim Wasserlassen aufgrund von Infektionen. Besonders bei Frauen (aufgrund ihres kürzeren Harnleiters) und Menschen mit Katheterversorgung häufig.

→ mehr Infos findest du im Expertenstandard: Kontinenzförderung in der Pflege

Dokumentation & rechtlicher Rahmen

Urinmengen werden bei Bedarf gemessen und dokumentiert (z. B. Flüssigkeitsbilanz). Bei krankheitsbedingter Inkontinenz oder notwendigem Hilfsmitteleinsatz können über die gesetzliche Krankenversicherung Produkte verordnet werden – z. B. Urinalkondome, Katheter oder Einlagen.

Gesetzestexte: § 33 SGB V – Hilfsmittel

Literatur

pflege.de (o. J.): Grundpflege – Definition, Maßnahmen & Leistungen. Online verfügbar unter: https://www.pflege.de/altenpflege/grundpflege/ (zuletzt geprüft am 14.04.2025).

Pflegewerk (o. J.): Beobachtung der Ausscheidungen. Online verfügbar unter: https://www.pflegewerk.com/pflegekurse/2-krankenbeobachtung/beobachtung-der-ausscheidungen.html (zuletzt geprüft am 14.04.2025).

PQSG.de (o. J.): Pflegeplanung – Beispiel Inkontinenz. Online verfügbar unter: https://pqsg.de/seiten/openpqsg/hintergrund-pflegeplan-inkontinenz.htm (zuletzt geprüft am 14.04.2025).

Sachsenmaier, B. (2020): 19 Ausscheidung (S. 478–509). In: I care Pflege. 2., überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme. doi:10.1055/b-0040-176367

sanubi.de (o. J.): Pflege bei Inkontinenz. Online verfügbar unter: https://sanubi.de/haeusliche-pflege/pflege-bei-inkontinenz (zuletzt geprüft am 14.04.2025).

Thieme (Hrsg.) (2015): I care. Pflege. Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG. S.380-399.

Autor:in

Maria Schmidtmüller

Studentin “Angewandte Pflegewissenschaft (B.Sc.)”

Stabsstelle Digitalisierung und Pflegewissenschaft, Universitätsklinikum Augsburg

Geprüft durch:

  
Romy ReicherterDenise Kasper
Pflegespezialistin Neo-IMCPflegespezialistin IZ.01
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