Qualitätskriterien Assessmentinstrumente

Woran erkenne ich ein gutes Assessmentinstrument?

Ein gutes Assessmentinstrument hilft dabei, den Gesundheitszustand einer Person richtig einzuschätzen und passende Pflegemaßnahmen abzuleiten. Doch nicht jedes Instrument ist gleich gut. Damit ein Assessment wirklich zuverlässig ist, sollte es bestimmte Qualitätskriterien erfüllen. Hier erfährst du, worauf du achten solltest:

Objektivität - unabhängig von der Person, die es durchführt

Das Ergebnis sollte immer gleich ausfallen, egal wer die Einschätzung vornimmt. Unterschiedliche Pflegekräfte oder Angehörige sollten zu denselben Ergebnissen kommen.

  • Beispiel: Wenn mehrere Personen die Sturzgefahr einer pflegebedürftigen Person mit einer standardisierten Skala bewerten, sollten sie zum gleichen Ergebnis kommen.

Reliabilität - zuverlässig & stabile Ergebnisse

Es sollte nicht von äußeren Umständen oder Zufällen beeinflusst werden.

  • Beispiel: Wenn man heute und in einer Woche erneut misst, sollte das Instrument bei gleichem Zustand der Person auch dieselben Werte zeigen.

Validität - misst das, was es messen soll

Das Instrument sollte tatsächlich relevante Pflegeprobleme erfassen und nicht unwichtige oder falsche Dinge messen.

  • Beispiel: Eine Skala zur Messung von Schmerzen sollte auch wirklich die Schmerzintensität und nicht etwa nur die Stimmung der Person erfassen.

Praktikabilität - einfach anzuwenden

Es sollte verständlich sein, wenig Zeit kosten und keine komplizierte Schulung erfordern.

  • Beispiel: Eine Einschätzung des Dekubitusrisikos (z. B. mit der Braden-Skala) sollte schnell und ohne großen Aufwand im Pflegealltag durchgeführt werden können.

Sensitivität & Spezifität - zuverlässig und ohne Fehlalarme

Hohe Sensitivität: Ein Assessment sollte möglichst alle Personen identifizieren, die ein bestimmtes Pflegeproblem haben.

Hohe Spezifität: Es sollte vermeiden, Menschen fälschlicherweise als betroffen einzustufen.

  • Beispiel: Eine Skala zur Sturzrisikoeinschätzung sollte gefährdete Personen sicher erkennen (hohe Sensitivität), aber nicht alle älteren Menschen automatisch als gefährdet einstufen (hohe Spezifität).

Normierung & Standardisierung - Vergleichswerte und feste Regeln

Damit die Ergebnisse aussagekräftig sind, sollte es klare Grenzwerte und Vergleichswerte geben.

  • Beispiel: Beim Mini-Mental-Status-Test (MMST) gibt es festgelegte Punktzahlen, um eine beginnende Demenz zu erkennen.

Evidenzbasiert - wissenschaftlich geprüft

Es sollte in Studien getestet worden sein und nachweislich helfen, Pflegebedarfe richtig einzuschätzen.

  • Beispiel: Ein Instrument zur Einschätzung von Wundheilung sollte durch Forschung bestätigt sein, damit es zuverlässig die Fortschritte bei der Wundversorgung zeigt.

Wie kann ich prüfen, ob ein Assessmentinstrument gut ist?

✔️ Gibt es eine Anleitung, die einfach zu verstehen ist?
✔️ Kann es von verschiedenen Personen genutzt werden und gibt immer ähnliche Ergebnisse?
✔️ Werden wirklich die wichtigen Pflegeprobleme erfasst?
✔️ Wurde es in der Praxis erprobt und wissenschaftlich geprüft?

Literatur

Reuschenbach, B. & Mahler, C. (Hrsg.) (2018) Pflegebezogene Assessmentinstrumente: Internationales Handbuch für Pflegeforschung und -praxis. Bern: Hogrefe, S. 57-65.

Autor:in

Maria Schmidtmüller

Studentin “Angewandte Pflegewissenschaft (B.Sc.)”

Stabsstelle Digitalisierung und Pflegewissenschaft, Universitätsklinikum Augsburg