Timed-Up-and-Go-Test (TUG)

Was ist der TUG-Test?
Der Timed-Up-and-Go-Test, kurz TUG, ist ein einfaches Screening-Verfahren, um die Mobilität und das Sturzrisiko einer Person einzuschätzen. Er eignet sich für ältere Menschen, aber auch für Kinder und Jugendliche mit Bewegungseinschränkungen. Pflegefachpersonen und pflegende Angehörige können den Test leicht im Alltag anwenden.

Wie funktioniert der TUG?

Die Testperson sitzt auf einem Stuhl mit Armlehnen (Sitzhöhe ca. 46 cm). Auf Aufforderung soll sie:

  1. Aufstehen,
  2. 3 Meter gehen (z. B. bis zu einer Markierung auf dem Boden),
  3. sich umdrehen,
  4. zurückgehen und
  5. sich wieder hinsetzen.

Die benötigte Zeit wird in Sekunden gemessen. Ein einmaliges Üben ist erlaubt, wie auch eine kurze Demonstration des Ablaufs durch die betreuende Person.

Wichtig:
Der Test kann mit oder ohne Gehhilfe durchgeführt werden. Wichtig ist nur, dass die Bedingungen dokumentiert werden.

Was sagt die Zeit aus?

DauerBedeutung
Unter 10 SekundenKeine Mobilitätseinschränkung
10–19 SekundenLeichte Einschränkungen
20–29 SekundenDeutlich eingeschränkte Mobilität
Über 30 SekundenAusgeprägte Mobilitätseinschränkung
Test nicht durchführbarKeine Gehfähigkeit vorhanden

Hinweis:
Diese Werte gelten vor allem für ältere Erwachsene. Bei Kindern und Jugendlichen gelten eigene Referenzwerte.

siehe auch: Pädiatrische Assessments

Beispiel aus der Praxis

Frau Keller (82) lebt allein. Ihrer Tochter fällt auf, dass das Gangbild ihrer Mutter zunehmend unsicher wirkt. Die Hausärztin bittet den ambulanten Pflegedienst um eine Einschätzung. Pflegekraft Leon führt den Timed-Up-and-Go-Test durch → Frau Keller benötigt 24 Sekunden.

Das Ergebnis unterstützt die Ersteinschätzung: Die Mobilität ist eingeschränkt.

Es sollten weitere Assessments folgen, etwa der Tinetti-Test, sowie eine interdisziplinäre Abklärung und ein Gespräch mit Frau Keller selbst.

Wie zuverlässig ist der Test? - Qualität & Evidenz

Der TUG ist ein valider (verlässlicher) und einfach anzuwendender Funktionstest, der sich besonders für den ambulanten Bereich eignet. Studien zeigen, dass er eine gute Aussagekraft zum Sturzrisiko hat, insbesondere, wenn die Zeit über 13,5 Sekunden liegt.

Er kann durch zusätzliche Aufgaben erweitert werden (z. B. mit einem vollen Glas Wasser oder einer Rechenaufgabe), um das Sturzrisiko unter Doppelbelastung zu testen. Dies ist besonders bei kognitiven Einschränkungen sinnvoll.

Fazit

Der TUG-Test ist ein praxistaugliches Instrument, um Mobilität und Sturzrisiko einzuschätzen.

Er ist schnell durchführbar, erfordert wenig Material und liefert wichtige Hinweise für weitere Maßnahmen.

Literatur

Podsiadlo, D. & Richardson, S. (1991): The Timed "Up & Go": A test of basic functional mobility for frail elderly persons. J Am Geriatr Soc, 39(2), 142–148.

Shumway-Cook, A., Brauer, S. & Woollacott, M. (2000): Predicting the probability for falls in community-dwelling older adults using the Timed Up & Go Test. Phys Ther, 80(9), 896–903.

Nicolini-Panisson, R. D. & Donadio, M. V. F. (2013): Timed “Up & Go” test in children and adolescents. Rev Paul Pediatr, 31(3), 377–383.

Autor:in

Maria Schmidtmüller

Studentin “Angewandte Pflegewissenschaft (B.Sc.)”

Stabsstelle Digitalisierung und Pflegewissenschaft, Universitätsklinikum Augsburg

Geprüft durch:

Stefan Wörner, B.Sc.

Zercur Pflegefachkraft Geriatrie

Universitätsklinikum Augsburg