Journal Club UKA - Familienzentrierte Pflege von Menschen mit dementiellen Erkrankungen

Im März 2025 wurde im Journal Clubam Universitätsklinikum Augsburg der Beitrag „Angehörige von Patienten mit Demenz als Bindeglied und Vermittler im Akutkrankenhaus“ von Greskötter (2021) diskutiert. Im Plenum stand insbesondere die Frage im Vordergrund, wie Angehörige die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Demenz im Akutkrankenhaus unterstützen können und welche strukturellen Voraussetzungen dafür notwendig sind.

Artikel: Angehörige von Patienten mit Demenz als Bindeglied und Vermittler im Akutkrankenhaus (Greskötter, 2021)

Dieser Artikel untersucht, wie Angehörige die Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Demenz im Akutkrankenhaus erleben und beschreibt ihre Rolle als Bindeglied und Vermittler, basierend auf einer systematischen Literaturübersicht.

Hintergrund

Etwa 40 % der über 65-jährigen Patientinnen und Patienten in deutschen Krankenhäusern weisen eine kognitive Beeinträchtigung auf, häufig in Form einer Demenz oder eines Delirs. Die oftmals ablauforientierten Strukturen und Abläufe im Akutkrankenhaus stehen im Kontrast zu den Bedürfnissen von Menschen mit Demenz nach Orientierung, Vertrautheit und Sicherheit. Die Autorin stellt Angehörige als potenzielle Vermittlerinnen und Vermittler zwischen diesen beiden Welten vor – der der vulnerablen Patientinnen und Patienten und der institutionellen Krankenhauslogik.

Methode

Im Rahmen einer systematischen Literaturübersicht wurden 23 einschlägige Volltextpublikationen analysiert. Die Datenbankrecherche erfolgte in Medline (PubMed), Cochrane, CINAHL und GeroLit. Ergänzend wurde eine Handsuche in relevanten Fachzeitschriften durchgeführt. In die Auswertung flossen sowohl qualitative als auch Mixed-Methods-Studien sowie ein systematisches Review ein.

 

Ergebnisse

Die Analyse der eingeschlossenen Studien ergab fünf zentrale Themenbereiche:

  • Angehörige sorgen für Sicherheit, strukturieren den Alltag und treten als Fürsprechende auf.
  • Ihre Anwesenheit wirkt stabilisierend und fördert Orientierung und Wohlbefinden.
  • Fehlen sie, kann es zu Angst, Unruhe, Nahrungsverweigerung und Missverständnissen bei der Schmerzdeutung kommen.
  • Starre Krankenhausstrukturen und unzureichende Kommunikation erschweren die Einbindung.
  • Förderlich sind eine wertschätzende Haltung, feste Ansprechpartner und aktive Einbeziehung in Entscheidungen.

Diskussion und Fazit

Die Literaturübersicht zeigt, dass Angehörige eine bedeutende Rolle im Versorgungsgeschehen übernehmen können – sowohl als emotionale Stütze als auch als informelle Expertinnen und Experten für die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten. Sie tragen wesentlich zur Überwindung kommunikativer und organisatorischer Barrieren bei. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass Krankenhäuser strukturelle Offenheit und personelle Bereitschaft zeigen, Angehörige aktiv einzubinden.

 

Fazit und Kommentare aus dem Plenum des Journal Clubs

Im Plenum wurde die Studie als praxisrelevant eingestuft. Insbesondere wurde betont, dass Angehörige nicht nur als Besuchende, sondern als aktive Beteiligte im Versorgungsprozess verstanden werden sollten. Dabei wurde auch kritisch hinterfragt, inwiefern bestehende Krankenhausstrukturen wie z.B. feste Besuchszeiten eine solche Beteiligung derzeit tatsächlich ermöglichen.

Greskötter, J. M. (2021). Angehörige von Patienten mit Demenz als Bindeglied und Vermittler im Akutkrankenhaus. Zeitschrift für Gerontologie und Geriatrie, 54(7), 651–658. https://doi.org/10.1007/s00391-021-01892-w

Autor:in

Joelle Bieneas, B.Sc.

Pflegewissenschaftlerin

Stabsstelle Digitalisierung und Pflegewissenschaft, Universitätsklinikum Augsburg

Maria Schmidtmüller

Studentin “Angewandte Pflegewissenschaft (B.Sc.)”

Stabsstelle Digitalisierung und Pflegewissenschaft, Universitätsklinikum Augsburg