Kindliche Unbehagens- und Schmerz-Skala (KUSS)

Die Kindliche Unbehagens- und Schmerz-Skala (KUSS) ist ein validiertes Instrument zur Einschätzung von Schmerzen bei Kindern vom Neugeborenenalter bis zur Vollendung des vierten Lebensjahres. Sie wurde speziell für Patienten und Patientinnen entwickelt, die sich nicht verbal äußern können, einschließlich mehrfachbehinderter Kinder.

Anwendungsbereiche

Die KUS-Skala findet vor allem Anwendung in der postoperativen Schmerzerfassung bei Säuglingen und Kleinkindern. Sie ist ebenfalls geeignet für Patienten und Patientinnen mit Sprach- und Verständnisschwierigkeiten, um deren Schmerzintensität objektiv zu bewerten.

Die KUS-Skala bewertet fünf Verhaltensmerkmale:

  • Weinen, Gesichtsausdruck, Rumpfhaltung, Beinhaltung und Motorische Unruhe

Durchführung: Jede Kategorie wird anhand einer 15-sekündigen Beobachtung bewertet, wobei pro Kategorie 0 bis 2 Punkte vergeben werden. Die Gesamtpunktzahl kann somit zwischen 0 und 10 liegen.

Auswertung: Eine Gesamtsumme von 4 oder mehr Punkten weist auf einen analgetischen (= schmerzlindernden) Behandlungsbedarf hin. Mit steigender Punktzahl erhöht sich die Dringlichkeit der Schmerztherapie.

Stärken der KUSS-Skala

Einfache Anwendung: Die Skala ist leicht verständlich und erfordert keine spezielle Ausrüstung.

Schnelle Durchführung: Die Bewertung dauert lediglich 15 Sekunden, was eine zügige Schmerzeinschätzung ermöglicht.

Breite Anwendbarkeit: Sie ist besonders nützlich bei nicht kommunikationsfähigen Patienten, wie Säuglingen, Kleinkindern und mehrfachbehinderten Kindern.

Schwächen der KUSS-Skala

Subjektivität: Die Bewertung basiert auf der Beobachtung des Untersuchers, was zu interindividuellen Unterschieden führen kann.

Begrenzte Validierung: Die Skala wurde primär für postoperative Schmerzen validiert und ist möglicherweise nicht für alle Schmerzarten gleichermaßen geeignet.

Qualität und Evidenz

Die KUS-Skala wurde wissenschaftlich untersucht und zeigt eine hohe Zuverlässigkeit in der postoperativen Schmerzerfassung bei Kleinkindern. Sie ist in der pädiatrischen Praxis weit verbreitet und anerkannt.

  • Zuverlässigkeit: Die Bewertungen sind stabil über die Zeit (Test-Retest-Reliabilität r = 0,89) und stimmen gut zwischen verschiedenen Beobachtenden überein (Interrater-Reliabilität r = 0,83).
  • Gütekriterien: Die Skala erkennt Schmerz sehr zuverlässig – mit einer Sensitivität von 76–100 % und einer Spezifität von 81–100 %, je nach Schwellenwert und Zielgruppe.

Literatur

Bächle-Helde, B. (2013): Wie weh tut es? Stuttgart: Thieme.

Büttner, W. (1998): Schmerzmessung beim Kind. Berlin, Heidelberg: Springer Medizin.

Hasan, C. (2011): Schmerzerfassung bei Kindern. Berlin: Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin.

Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (o.J.): KUSS-Skala für Kinder von 0–4 Jahren. Online verfügbar unter: https://www.oegari.at/web_files/dateiarchiv/editor/kus-skala.pdf (zuletzt geprüft am 31.03.2025).

Abbildungsnachweis:

Abbildung 1: KUSS-Skala für Kinder von 0–4 Jahren (Österreichische Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin, o.J.)

Autor:in

Maria Schmidtmüller

Studentin “Angewandte Pflegewissenschaft (B.Sc.)”

Stabsstelle Digitalisierung und Pflegewissenschaft, Universitätsklinikum Augsburg