Der Journal Club im Juli 2026 wurde in englischer Sprache durchgeführt und widmete sich dem Thema „Prioritätensetzung im Pflegealltag“. Anhand des Artikels von Lake, Moss und Duke wurde die Bedeutung der pflegerischen Prioritätensetzung als zentrale Kompetenz der klinischen Entscheidungsfindung sowie deren Entwicklung durch Erfahrung und den Einfluss des jeweiligen Versorgungskontexts diskutiert.
Pflegende treffen täglich Entscheidungen in komplexen und dynamischen Versorgungssituationen. Mehrere Patientinnen und Patienten benötigen gleichzeitig unterschiedliche Interventionen, während Zeit, Personal und Ressourcen begrenzt sind. Obwohl Prioritätensetzung eine zentrale Kompetenz professioneller Pflege darstellt, existierten zum Zeitpunkt der Untersuchung keine Studien, die diesen Prozess direkt untersuchten. Ziel war daher, das in der Literatur vorhandene implizite Wissen systematisch herauszuarbeiten.
Es erfolgte eine systematische Literaturrecherche in CINAHL unter Verwendung verschiedener Suchbegriffe. Von zunächst 738 Treffern wurden nach Anwendung definierter Ein- und Ausschlusskriterien schließlich 461 Publikationen analysiert. Die Daten wurden mittels thematischer Analyse ausgewertet.
Die Autorinnen und Autoren identifizierten fünf zentrale Themenbereiche.
Prioritätensetzung ist Bestandteil der Pflegeausbildung, wird jedoch häufig nicht als eigenständiges Konzept vermittelt. Besonders der Übergang von Ausbildung in die Praxis stellt eine entscheidende Lernphase dar.
Mit zunehmender Berufserfahrung gelingt es Pflegefachpersonen, relevante Informationen schneller zu erkennen und angemessene Entscheidungen zu treffen. Sie handeln zunehmend intuitiv und entwickeln eine Expertise.
Prioritäten unterscheiden sich je nach Versorgungsbereich, wie z.B. Intensivstation, Notaufnahme, ambulante Patientenversorgung u.a.
Einflussfaktoren sind dabei insbesondere Zeitdruck, vorhandene Ressourcen, oder die interprofessionelle Zusammenarbeit.
Pflegende bewerten kontinuierlich neue Informationen und passen ihre Prioritäten fortlaufend an. Klinische Entscheidungen entstehen nicht linear, sondern entwickeln sich während des gesamten Pflegeprozesses.
Die Literatur nutzt verschiedene Modelle klinischer Entscheidungsfindung (z. B. Informationsverarbeitung, Problemlösen oder intuitive Entscheidungsfindung). Unabhängig vom theoretischen Ansatz zeigt sich Prioritätensetzung als gemeinsamer Kern professionellen Handelns.
Die Autorinnen und Autoren zeigen, dass Prioritätensetzung zwar eine Schlüsselkompetenz professioneller Pflege darstellt, jedoch kaum explizit untersucht wurde. Stattdessen findet sich das Wissen implizit in zahlreichen Studien zur klinischen Entscheidungsfindung.
Besonders hervorgehoben wird:
Die Fähigkeit, pflegerische Prioritäten richtig zu setzen, stellt eine Kernkompetenz professioneller Pflege dar. Sie entwickelt sich mit zunehmender praktischer Erfahrung und ermöglicht es Pflegefachpersonen, auch in komplexen Situationen angemessene Entscheidungen zu treffen.