Stuhl & Defäkation

Was ist Stuhl?

Stuhl ist ein Ausscheidungsprodukt des Körpers und entsteht im Verdauungstrakt. Über den Stuhl werden unverdauliche Nahrungsreste, Abbauprodukte des Stoffwechsels sowie abgestoßene Zellen der Darmschleimhaut aus dem Körper ausgeschieden (75% Wasser, 10% Abfallprodukte, 7% Epithelien, 8% Salze, Schleim und Bakterien). Stuhl trägt somit zur Entsorgung nicht verwertbarer Substanzen und zur Regulation des Wasserhaushalts im Darm bei.

Was ist Defäkation?

Unter Defäkation versteht man das Entleeren des Darms über den After. Dabei werden unverdauliche Nahrungsreste und Stoffwechselprodukte über den Darm ausgeschieden. Bei gesunden Personen erfolgt die Stuhlausscheidung regelmäßig, schmerzfrei und vollständig.

  • Stuhlgewohnheiten sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Eine Veränderung des Stuhlgangs bei gleich bleibenden Lebensgewohnheiten deutet in den meisten Fällen auf eine krankheitsbedingte Ursache hin. Für Pflegende ist es daher zentral, auf Auffälligkeiten zu achten und unterstützend tätig zu sein.

Beobachtungskriterien bei der Stuhlausscheidung

Pflegende beobachten den Stuhl unter anderem auf:

  • Farbe: Braun ist normal. Schwarzer, roter oder sehr heller Stuhl kann krankhaft sein.
  • Konsistenz/Form: Normalzustand: geformte, homogene Masse → Veränderungen deuten auf Durchfall (Diarrhö; breiig) oder Verstopfung (Obstipation; fest) hin.
  • Geruch: Stuhl hat einen charakteristischen Geruch. Ein stark fauliger Geruch kann auf Infektionen oder Fehlverdauung hinweisen.
  • Häufigkeit & Menge: Die normale Häufigkeit variiert, sie kann zwischen dreimal täglich bis dreimal pro Woche liegen.
  • Beimengungen: Blut, Schleim oder unverdaute Nahrungsreste sollten dokumentiert werden.

Pflegerische Unterstützung bei der Defäkation

Nicht alle Pflegebedürftigen können ihren Darm selbstständig entleeren. Die Pflege umfasst daher:

  • Begleitung zur Toilette oder zum Toilettenstuhl
  • Bereitstellung von Steckbecken oder Bettpfannen
  • Anregung zur regelmäßigen Darmentleerung (z. B. Sitzzeiten, Bauchmassage)
  • Unterstützung bei der Intimhygiene
  • Einsatz von Abführmitteln nach ärztlicher Anordnung

Merke: Die Entleerung sollte ungestört, zeitnah und würdevoll erfolgen → unter Wahrung der Intimsphäre.

Häufige Verdauungsprobleme

  • Obstipation (Verstopfung): Feste, seltene Entleerung, oft mit Schmerzen verbunden. Begleiterscheinungen: Völlegefühl, Bauchkrämpfe, Blähungen, Appetitlosigkeit, Zungenbelag, Mundgeruch, Kopfschmerzen oder Unruhe.
  • Diarrhö (Durchfall): Häufige, dünnflüssige Entleerung meist mit Krämpfen → führt zu Flüssigkeitsverlust.
  • Paradoxe Diarrhö: Enddarm sammelt eine große Menge Stuhl an und formt Kotsteine. Entlang der Kotsteine kann flüssiger Stuhl aus dem Dickdarm vorbeifließen.
  • Stuhlinkontinenz: Unkontrollierter Abgang von Stuhl → z. B. bei neurologischen Erkrankungen
  • Blut im Stuhl: z. B. Hämorrhoiden oder Darmblutung (bedenklich!)

Maßnahmen zur Förderung der Darmentleerung

Pflegende können durch gezielte Maßnahmen die Darmtätigkeit fördern:

  • Bewegung und Mobilität steigern die Darmperistaltik
  • Ballaststoffreiche Ernährung (z. B. Vollkorn, Gemüse)
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Regelmäßige Toilettenzeiten
  • Medikamentöse Therapie
    • Suppositorien (Zäpfchen)
    • Klistier oder Einlauf (Flüssige Lösungen zur Verabreichung in den Anus)
    • Abführmittel (Laxantien; Orale Medikation zur Förderung der Stuhlentleerung)
    • Manuelles Ausräumen (auch digitales Ausräumen genannt; Reinigung mittels behandschuhtem Finger als invasive Maßnahme)

→ siehe auch: Obstipationsprophylaxe

Dokumentation & rechtliche Aspekte

Stuhlbeobachtungen werden im Pflegealltag dokumentiert →insbesondere bei Diarrhö, Obstipation oder auffälligem Stuhl. Bei krankheitsbedingten Stuhlproblemen kann eine ärztliche Abklärung notwendig sein. Inkontinenzhilfen können im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden.

Gesetzestexte: § 33 SGB V – Hilfsmittel

Literatur

Sachsenmaier, B. (2020): 19 Ausscheidung (S. 478–509). In: I care Pflege. 2., überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme. doi:10.1055/b-0040-176367

pflege.de (o. J.): Grundpflege – Definition, Maßnahmen & Leistungen. Online verfügbar unter: https://www.pflege.de/altenpflege/grundpflege/ (zuletzt geprüft am 14.04.2025).

sanubi.de (o. J.): Pflege bei Inkontinenz. Online verfügbar unter: https://sanubi.de/haeusliche-pflege/pflege-bei-inkontinenz (zuletzt geprüft am 14.04.2025).

PQSG.de (o. J.): Pflegeplanung – Beispiel Inkontinenz. Online verfügbar unter: https://pqsg.de/seiten/openpqsg/hintergrund-pflegeplan-inkontinenz.htm (zuletzt geprüft am 14.04.2025).

Pflegewerk (o. J.): Beobachtung der Ausscheidungen. Online verfügbar unter: https://www.pflegewerk.com/pflegekurse/2-krankenbeobachtung/beobachtung-der-ausscheidungen.html (zuletzt geprüft am 14.04.2025).

Thieme (Hrsg.) (2015): I care. Pflege. Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG. S.380-399.

Autor:in

Maria Schmidtmüller

Studentin “Angewandte Pflegewissenschaft (B.Sc.)”

Stabsstelle Digitalisierung und Pflegewissenschaft, Universitätsklinikum Augsburg

Geprüft durch:

  
Romy ReicherterDenise Kasper
Pflegespezialistin Neo-IMCPflegespezialistin IZ.01
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